Hermann Wenzel, Wahlscheid

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Rabanal de Camino --> Astorga --> Leon

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Einen Discopilger darf ich heute auf dieser Pilgerfahrt erleben. Etwas später volle Beleuchtung, um 8:15 Uhr gibt es Frühstück in der Wohnküche der Hospitalera: getostetes Brot, verschiedene Sorten Marmelade, viel Kaffee. Ich bin versucht meinen Schinken zu holen, doch dann habe ich wohl zu Recht Hemungen - nicht noch weiter unangenehm auffallen. Nach einer herzlichen Veranschiedung ziehen wir unsere Wege in die unterschiedlichen Richtungen. Ich gehe noch einmal zur Kirche, will Kerzen anzünden, meie Schachtel Streichhölzer hierlassen. Die beiden Geistlichen sind mitten bei der Messe, ich bild ab jetzt die Gemeinde. Ich habe Ruhe zu verweilen, werde zum Abendmahl eingeladen, habe beim reichen der Oblate nicht die übliche Formel parat, werde gefragt ob ich katholisch bin, antworte wahrheitsgemäß mit "Nein" und die Oblate wird wieder zurückgezogen, nach einem Zögern ob zurück in den Kelch, nimmt der Geistliche die Oblate selber. Es wäre ein schöner Abschluß meiner Pilgerfahrt gewesen, ich respektiere jedoch ohne Bedauern die religiöse Einstellung des Geistlichen. Ich habe ja über 1000km Pilgerfahrt gebraucht um zu einem katholischem Abendmahl in Santiago zu gehen.

Ich komme heraus aus der Kirche und die Sonne lächelt nicht nur, sie lacht mich an und ich gehe ihr entgegen, weiter nach Hause. Es ist ein klarer kalter Morgen - Frost auf den Zweigen und Grashalmen. Auf den nächsten Kilometern kann ich das Thema Abendmahl noch einmal verarbeiten: es ist ein religiöser Ritus, mit meinem Glauben, meinem Gott ist heute Morgen kaien Konflikt aufgetreten. Wie steht es so schön in dem Peace Buch: jeden Bissen soll man mit Achtung und Aufmerksamkeit verzehren.

Ich treffe ein paar Pilger, Lächeln, kurze Gespräche. Um 12:00 Uhr mache ich Pause in der ersten offenen Bar. Noch bleiben mir ein paar Pilgerstunden.

Der Tag bleibt wunderbar, der Weg immer geradeaus, die Sonne strahlt weiter, die schneebedeckten Berge bilden eine 1A Kulisse. Kurz nach 14:00 Uhr stehe ich vor der Kathedrale in Astorga - zu - Umbau. Dann vor dem Gaudi und laufe einer Gruppe Pilger in die Arme, die mir erklären wo die Herberge ist. Ein paar freundliche Sätze, herzliche Verabschiedung - ihnen ein Buon Camino, mir eine gute Heimreise. Schon nach einer Rückfrage finde ich den Busbahnhof, in 20 Minuten geht ein Bus nach Leon. Punktgenau ein Anruf von Tino wegen eines Kundenproblems - er wird es regeln und mich langsam ankommen lassen. Die Fahrt nach Leon kostet EUR 3,30, mal sehen wann ich da bin, mal sehen wie es dann weitergeht. Die Schalter im Busbahnhof waren alle geschlossen. Der Bus hält an jeder Milchkanne und so kann ich jetzt aus dem Fenster einen Blick auf die gelben Pfeile erhaschen. Der letzte Pilgerschritt ist für dieses Mal getan. Bis auf die obligatorischen Blasen hat mein Körper mir diese Pilgerfahrt gedankt, haben meine Füße mich sicher getragen.

Ich kratze in meinem Kopf nach Erdkundekenntnissen um zwischen Leon, Burgos, Pamplona, Paris, Brüssel, Aachen und Köln noch Etappenziele zusammenzubekommen. Ich habe mich für das langsame Ankommen entschieden. Um 15:55 Uhr bin ich in Leon. Weitere 5 Minuten später weiß ich, dass ein Bus erst übermorgen nach Köln geht - es ist halt Januar. Nach Burgos könnte ich um 21:15 fahren. Also doch Bahn. In 10 Minuten bin ich zu Fuß am Bahnhof und gewartete 3 km später habe ich ein Ticket für morgen 15:07 Uhr nach Hendaya - dafür darf ich EUR 34,30 bezahlen und hoffe, dass dieser mir bisher noch unbekannte Ort bei meinem Ziel mein zu Hause zu erreichen ein schönes Etappenziel darstellt. Die Dame ist drauf und dran mir noch ein Ticket nach Paris zu verkaufen, nur gegen bar, auf Kreditkarte könnte ich das erst in Hendaya erstehen. Ich hoffe darauf in diesem Bahnhof dann ein Ticket direkt bis nach Honrath erstehen zu können und mache mich auf den Weg in die Innenstadt. Gelbe Pfeile, Schilder helfen ebenso wie nette Passanten und bald stehe ich vor der Benedektinerauberge. Diese macht am 1. Februar wieder auf. Also lasse ich mir den Weg zur Municipalauberge erklären, frage ein paarmal nach. Eine nette Dame bringt mich schlißlich wieder zu Benedektinerauberge, ich konnte ihr nicht klarmachen, dass diese geschlossen ist und die andere kennt sie wohl nicht. Also zweiter Anlauf. Wenige Schritte nach der Stelle als die nette Dame begann mich zu führsorglich zurückzubringen finde ich dann die anderen Hinweisschilder zu der anderen Herberge. Dafür komme ich an einer offenen Kirche vorbei, bin versucht meine Streichhölzer vor den Diodenkerzen zu hinterlassen. Der Gadanke die Altarkerzen anzuzünden ist nur eine Sekunde in mir.

Die Herberge hat acht-Bett-Zimmer, drei Betten sind schon belegt. Nach dem Pflichtprogramm geht es zurück in die Stadt, er Weg ist ja durch die Dame eingeübt. In der Stadt mache ich an markanten Ecken zur Sicherheit Fotos in Zielrichtung Rückweg heute Nacht. Die Herberge ist rund um die Uhr geöffnet und ich brauche morgen erst um 10:00 Uhr das Feld räumen.

Zwischendurch kam kurz ein "hätte-wäre-wenn" - Moment auf, doch der entschwandt ohne sich zu Ende formuliert zu haben. Wie es ist, ist es gut, jeder Schritt - jeder Augenblick.

Gerade bin ich mit meinen Notizen fertig, da höhre ich englische Töne hinter mir. Ich drehe mich um, schätze ein, frage: "Peregrinos?" - "JA" - "Room 6?" - "JA". Thats the camino würde Simone sagen. Es gibt in diesem Augenblick halt nur eine Bar in Leon. Es ist ein Deutscher dabei, er ist in Norddeutschland gestartet. Ein guter, kurzer Gedankenaustausch. Die vier ziehen weiter, es ist die dritte Bar an diesem Abend für sie. Feiern ist Teil - ein guter - des Camino. Mir ist heute nach Alleinsein, also ziehe ich nicht mit. Man sieht sich eh in Zimmer 6. Ich habe dem Deutschen mein A4 - Füherblatt aus Santiago gegeben. Ein Blatt weniger für meine Kartenschublade, sie wird sich freuen. Und er hat sich schon gefreut - im Winter ist das Wissen um jede offene Herberge und den Zustand hilfreich.

Ich finde die Kathedrale fast auf Anhieb, daneben eine Kirchentür - offen - der Gottesdienst ist gerade zu Ende. Mir fällt auf: über dem Altar ist kein Kreuz sondern eine Heiligenstatue. Ich streife weiter durch die Stadt - noch eine offene Kirchentür - wieder ein interessanter Altarraum. Läßt das Universum jetzt nur noch Kirchentüren für mich offen stehen, die mir guttun, oder übersehe ich die anderen einfach nur? Sollte ich tolleranter geworden sein?

Eine hell erleuchtete Bar - kaum Zigarettenrauch - läd mich ein. Gedanken füllen mein Büchlein. Der wunderbare Tag in Leon im Sommer, die Umarmung von Angela und Simone werden wohl immer für mich mit dieser Stadt in Verbindung stehen - schöne Erinnerungen die Kraft geben, denen ich heute weitere hinzufügen durfte. Mir geht der Gadanke durch den Kopf ob ich mich wohl irgendwann trauen werde in einer spanischen Bar darum zu bitten, den TV auszuschalten, auf dem in diesem Augenblick eh keiner schaut?

Der Rückweg zur Herberge wird wieder zu einem Stadtrundgang. Vieles erkenne ich wieder, aber auf welchem Abschnitt des Hinwegs war das? Kurz bevor ich meine Bilder auf der Kamera befrage, passt ein Schild einer Bar zu meinem heutigem Weg zu Herberge. Tolle Bilder von Motorradrennen an der Wand. Nicht mein Sport - wenn es denn Sport ist - jedoch fasziniert mich die Begeisterung, die ich bei Bikern erlebt habe. Der TV wird hier von zwei flackernden Spielautomaten ergänzt. Drei Gäste, ein Wirt - gute Musik. Abschied auf Raten von meinem zweiten Camino - dem Camino Portugiues und dem Camino ein Stück nach Hause via Frances.

Ein Klick auf ein Bild und Herr Google sagt guten Tag und eröffnet alle Möglichkeiten für seine Fotoalben.