Hermann Wenzel, Wahlscheid

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Leon --> Paris

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Heute morgen gehts erst um 8:30 Uhr aus den Federn, die anderen sind auch Langschläfer. Beim Frühstück kaum ein Wort - zu früh. Sie machen heute einen Ruhetag in Leon. Das Packen ist heute keine Routine, denn für den Stadtrundgang und die Bahnfahrt ist die Reihenfolge anders. Draußen vor der Herberge begrüßt mich ein strahlender kalter Januarmorgen. Kein Wölkchen am Himmel, die Sonne tut ihr bestes und strahlt durch die Häuserzeilen. Ich schlebdere zur Kathedarle, gegenüber ist das nette Café Europa. Schöne Musik, kein TV. Eine Tasse Kaffe um wach zu werden. Mal sehen ob es heute ein Zeitfenster gibt in der die Kathedrale für mich geöffnet hat.

Das Zeitfenster passt: beeindruckend. Ich schlendere an den vielen Seitenaltären vorbei, die Buntfenster geben der Kathedrale ein besonderes Licht. Dann mache ich mich auf zum Museum: in zwei Stunden ein Schnelldurchgang von der Prähistorie bis heute.

Einen Streifzug durch die Stadt: Früchte hier, eine deutsche Bäckerei - hier muß ich Pause machen. Bis Paris werden es wohl Züge ohne Speisewagen sein, also blicke ich mich langsam nach einem Supermarkt um, damit das leibliche Wohl auf der Rückfahrt so gut gerichtet ist wie unterwegs beim Pilgern. Ein anderer Rhythmus. Das Leben auf der Pilgerfahrt ist doch einfacher als das vom Fahrplan der Bahn bestimmte.

Nun habe ich eingekauft als ob ich in einen durchgehenden Zug bis Peking ohne Speisewagen steigen würde. Es ist kurz nach 13:00 Uhr, ich habe also noch zwei Stunden Zeit den Bahnhof zu finden und darf solange zusätzlich zum Rucksack die Plastiktüten mit dem Einkauf tragen. Pilgern ist doch einfacher! Im Museum hat mir besonders das Video über den Camino gefallen, denn es war nicht nur der Camino Santiago gezeigt, sondern Pilgerwege weltweit. Und so werde ich wieder an das Vorhaben "Rom" erinnert und freue mich schon darauf. Auch wenn Stadt für mich auf Pilgerfahrt immer ein schwieriges Thema ist, so ist doch dieser Tag in Leon zum Rauskommen ins normale Leben gut für mich. Ich habe so viele schöne Stellen in der Stadt gefunden, es lohnt sich wiederzukommen, ob auf Pilgerfahrt oder einfach nur so.

Den Weg zum Bahnhof habe ich eingeübt, Erinnerungen an den Sommer, Erinnerungen an gestern aufgefrischt. Besser in einer Bar die Abfahrt des Zuges erwarten als am öden Bahnhof. Ich bekomme einen Schreck, als ich auf eine Uhr in der Bar schaue, beruhige mich: alle Uhren hier stehen still.

Auf dem Bahnhof Schuhwechsel, mit viel Übung passen die Pilgerschuhe in den Rucksack und die Turnschuhe sind für die Bahnfahrt angemessener. Gestern der letzte Pilgerschritt, heute noch einmal durch die Stadt im Pilgeroutfit, die an Pilger gewohnt ist. Langsames Ende meiner Pilgerfahrt. Sprachen lernen ist also das, was ich auf dieser Pilgerfahrt gefunden habe, damit hatte ich bestimmt nicht gerechnet. Es fing mit Andrea kurz hinter Tui an. Jetzt in Leon habe ich mir jede Raklametafel laut vorgelesen. Wie werde ich es fertig bekommen meinen gordischen Sprachknoten zu lösen? Ich werde mich überraschen lassen. Genug Sprachen gibt es ja zur Auswahl. Ich erinnere mich beim letzten Besuch in Leon an einer als Londoner Underground Station aufgemachten Bar mit dem treffenden Namen Babylon vorbei gekommen zu sein. Die nette Geschichte aus der Bibel: für mich schließt sie sich hier in Leon, auf dem Bahnhof, beim Warten auf den Zug, der mich in ein anderes Land zu einer anderen Spache bringt.

Vorerst darf ich mehrere Leute fragen, bis ich eine Antwort bekommen, denn ich bekomme mit, dass mit der gleichen Zugnummer zwei Ziele angegeben sind. Der Zug wird also irgendwo geteilt und ich sollte den Teil erwischen, der mich nach Hendaya bringt. Zuerst die Auskunft von einer Dame an der Information, dass der Zug Verspätung hat. Dann von zwei Herren der Bahn Security der Hinweis auf Coche 2 und als sie auf ihrem Kontrollgang durch den fahrenden Zug mich sitzen sehen, ein Lächeln, den Daumen hoch - beides ist international. Für EUR 34,30 kann ich jetzt fünf Stunden Spanien per Bahn genießen. Zuerst die Messeta, denn der Zug geht über Burgos. Der Zug ist relativ leer und auch in der Touristenklasse läuft ein Film, doch ich schaue lieber aus dem Fenster. Als der Schaffner kommt erfahre ich, dass ich im falschen Wagen sitze, also alles wieder schultern und durch den Zug - jetzt ein voller Wagon, Sitzrichung rückwärts. Sahagun ist errreicht. Vor mir eine Nonne, gegenüber zwei Pilger aus Frankreich. Um 16:43 Uhr sind wir in Palencie, ich habe wieder einen Fensterplatz und kann in die Sonne schauen, die heute schon den ganzen Tag strahlt. Nach nochmaligem Umsitzen sitze ich wieder in Fahrtrichtung und habe eine Vierergruppe für mich. Die Wolken sind schöner als man sie malen könnte, auf vielen Anhöhen Windräder. Um 17:33 Uhr sind wir in Burgos Rosa de Lima. Der Zug leert sich. Schöne Erinnerungen an die im Sommer durchpilgerte Messeta sind vorbeigefolgen.

Die Sonne malt die Wolken bei ihrem heutigem Untergang in herrlichen Rottönen. Um 18:32 Uhr ein Halt, hier wird der Zug getrennt. Mirada habe ich verstanden, um 19:00 Uhr Stop in Vitoria, außer vielen erleuchteten Straßenlaternen sehe ich nichts. Um 19:21 Uhr ein weiterer Stop, ich habe weder die Ansage verstanden noch ein Bahnhofsschild gesehen. Das JETZT weiss ich, beim HIER vertraue ich auf die Dame am Fahrkartenschalter in Leon, obwohl ich bis jetzt nicht verstehe, warum sie mir nicht eine Fahrkarte bis nach Hause verkaufen und die Verbindung bis dorthin heraussuchen konnte. Es wird einen Grund dafür geben, vielleicht kommt irgendwann eine Erklärung für mich nachvollziehbar auf mich zu. Ein weiterer Stop um 19:44 Uhr - auch jetzt bleibt das HIER ein Geheimnis für mich. Ich lese im Buch "Peace" und trage ihn in mir. 20:26 Uhr ein weiterer Stop, ca eine halbe Stunde Verspätung erklärt mir Cloude, ein französischer Pilger - "gut" - fügt er hinzu, "Du brauchst nicht so lange auf Deinen Anschlusszug zu warten." Katharina war mit meiner Ortsangebe: kurz vor Frankreich und dem Verkehrsmittel Zug sehr zufrieden. Wir haben verabredet wo ich meinen Wohnungsschlüssel finden kann. 20:45 Uhr, ein weiterer Stop. Ich verstehe Iru. Das sieht nach spanischem Grenzbahnhof aus. Langsam ankommen wollte ich, stillsitzen - so lange - nach einer Zeit die von Bewegung geprägt war, fällt schwer. Es sind ja nur noch zwei Länder zu durchqueren.

Ich bin in Frankreich, die Dame am Fahrkartenschalter findet Köln im Computer und verkauft mir 9 Stunden Bahnreise durch die Nacht für EUR 76,60. Aus irgendweinem Grunde bin ich geizig und spare die EUR 30,-- für den Liegewagen. Dann noch ein Ticket von Paris Nord nach Köln für EUR 77,-- in 3:15 Stunden. Auf dem Bahnsteig komme ich mich Alex ins Gespräch, wir hatte uns in der Bahn kurz gesehen. Er ist von Le Puy im November gestartet und ist knapp bei Kasse, so dass es für die Bahnfahrt nicht reicht. Er will Bahntrampen. Ich biete ihm an seine Fahrkarte auszulegen, er kann es mir ja später überweisen. Er will darüber nachdenken, dann ich aber der Schalter geschlossen. An der Bahn regelt er es dann anders, er kann erst mal mitfahren und später irgendwann bezahlen. Wir unterhalten uns über Camino Erlebnisse, tauschen E-Mail und begeben uns zur Ruhe. Nun weiß ich - deshalb kein Liegewagen.

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